Neue Zölle im Streit zwischen Brüssel und Peking treffen ausgerechnet die Branchen, die Deutschlands Außenhandel tragen. Exporteure warnen vor Vergeltungsmaßnahmen, die sie zwischen zwei Fronten aufreiben könnten.

Deutschland hat sich in Handelskonflikten selten als neutraler Zuschauer wiedergefunden – dafür hängt die Wirtschaft zu stark am Export. Der eskalierende Streit zwischen der Europäischen Union und China über Zusatzzölle auf Elektrofahrzeuge und industrielle Güter bringt genau diese Verwundbarkeit erneut ins Rampenlicht.
Brüssel begründet seine Zusatzzölle mit staatlichen Subventionen, die chinesischen Herstellern einen unfairen Preisvorteil verschaffen sollen. Peking hat mit eigenen Untersuchungen gegen europäische Exporte reagiert – von Milchprodukten bis hin zu Agrarchemikalien –, die auffallend genau die Branchen treffen, in denen deutsche und französische Hersteller besonders stark vertreten sind.
Deutschland exportiert nicht nur nach China. Es exportiert Bauteile, die in chinesischen Fabriken zu Produkten werden, die anschließend wieder zurück nach Europa verkauft werden.
Kein Sektor ist stärker exponiert als die Automobilindustrie. Deutsche Hersteller erzielen einen erheblichen Teil ihres Gewinns über Gemeinschaftsunternehmen in China und sind gleichzeitig auf denselben chinesischen Markt angewiesen, den Brüssels Zölle eigentlich einschränken sollen. Ein eskalierender Handelskonflikt trifft sie damit doppelt: als Exporteure nach China und als Unternehmen mit erheblichen China-Investitionen, deren Wert von der politischen Beziehung zwischen Peking und Brüssel abhängt.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat wiederholt vor einer Eskalationsspirale gewarnt, die am Ende niemandem nützt. Die Position der deutschen Industrie ist damit eine ungewöhnliche: Sie unterstützt grundsätzlich einen fairen Wettbewerb, fürchtet aber gleichzeitig, in einem Handelskrieg zerrieben zu werden, den sie selbst nicht ausgelöst hat.
Viele größere deutsche Exporteure diversifizieren ihre Lieferketten seit Jahren bewusst – ein Prozess, der oft als „China plus eins“ bezeichnet wird und zusätzliche Produktionsstandorte in Südostasien oder Osteuropa aufbaut, ohne China vollständig zu verlassen. Für kleinere Mittelstandsunternehmen, die weniger Kapital für eine solche Diversifizierung haben, bleibt die Abhängigkeit von einem einzigen großen Markt ein erhebliches Risiko, das sich mit jeder neuen Zollrunde vergrößert.
Der Streit ist noch nicht entschieden, und beide Seiten haben erkennbares Interesse an einer Verhandlungslösung. Doch solange keine Einigung steht, bleibt die deutsche Exportwirtschaft in einer ungemütlichen Position: zu groß und zu verflochten mit China, um den Konflikt zu ignorieren, aber ohne echten Einfluss darauf, wie er endet.