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DAX trotzt europäischer Wachstumsschwäche – wie lange noch?

Während die deutsche Konjunktur seit Jahren nur schleppend wächst, hat sich der DAX erstaunlich robust gehalten. Der Grund liegt weniger in Deutschland selbst als in der globalen Ausrichtung seiner größten Konzerne.

By City PM
Aktienkurse und Handelsbildschirme

Es ist ein Widerspruch, der Analysten seit Jahren beschäftigt: Die deutsche Volkswirtschaft wächst seit geraumer Zeit kaum, doch der DAX hat sich zeitweise erstaunlich gut geschlagen. Die Auflösung dieses scheinbaren Widerspruchs liegt in einer einfachen Tatsache – der DAX ist kein Maß für die deutsche Binnenkonjunktur, sondern für die globalen Geschäfte seiner 40 größten börsennotierten Unternehmen.

Konzerne wie SAP, Siemens oder die großen Automobilhersteller erwirtschaften den Großteil ihrer Umsätze außerhalb Deutschlands. Ein schwacher deutscher Binnenmarkt schmälert ihre Geschäftszahlen kaum, solange die globale Nachfrage – insbesondere aus den USA und Asien – robust bleibt.

Der DAX ist ein Fenster in die Weltwirtschaft, das zufällig in Frankfurt hängt.

40im DAX gelistete Unternehmen, deren Umsatz überwiegend außerhalb Deutschlands erwirtschaftet wird

Die Kehrseite der Entkopplung

Diese Entkopplung zwischen Index und Binnenkonjunktur hat allerdings eine Kehrseite. Wenn die deutsche Wachstumsschwäche irgendwann auf die globalen Lieferketten der großen Konzerne durchschlägt – etwa über steigende Energiekosten am heimischen Produktionsstandort oder über einen schwächeren Fachkräftepool –, verliert der Index diesen Puffer. Genau das ist der Grund, warum viele Analysten die Widerstandsfähigkeit des DAX nicht mit der Gesundheit der deutschen Wirtschaft insgesamt verwechseln wollen.

Kleinere, binnenmarktorientierte Unternehmen – die im breiteren MDAX und SDAX stärker vertreten sind als im DAX selbst – spüren die Wachstumsschwäche deutlich unmittelbarer. Diese Kluft zwischen den globalen Champions des DAX und dem binnenorientierten Mittelstand ist selbst zu einem Thema geworden, das Investoren zunehmend genauer differenzieren müssen, statt den DAX als pauschalen Indikator für „die deutsche Wirtschaft“ zu behandeln.

Für internationale Anleger bleibt die Botschaft nuanciert: Der DAX ist weiterhin ein legitimes Instrument, um an globalem Wachstum über deutsche Konzerne zu partizipieren. Als Wette auf eine deutsche Konjunkturerholung taugt er dagegen deutlich weniger, als sein Name vermuten lässt.

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